Jesus Es El Señor
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Mit dem Unichor kommt man in der Welt herum. Dank dem Chorleiter Vijay Upadhyaya (geboren in Lucknow, Indien) darf man sich immer wieder über Chor-Tourneen in den verschiedensten Ländern der Welt freuen. Dieses Jahr sollte es nach Südamerika genauer nach Peru gehen - und ich war dabei!

Einstimmung

Der Chor der Universität Wien besteht aus mehreren Chorgruppen wie dem Vienna Vocal Consort, dem Kammerchor, dem Konzertchor, den Singing Generations, dem Voice Club und neuerdings auch den Vocalists Unlimited. Alle diese Chorgruppen unterschieden sich aufgrund ihres Repertoires und ihrer Professionalität. Sie alle werden von Vijay geleitet und die "Kampftruppe" für Peru besteht aus SängerInnen (diesmal kein generisches Maskulinum Eye-wink) aus diesen Gruppen - insgesamt knapp mehr als 40 Leute. Viele kommen aus dem Voice Club (neuerdings Vocalists Unlimited) - wo auch ich singe - und haben erst vor ein oder zwei Jahren im Chor begonnen. Dazu meinte Vijay:
Wenn euch vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ihr in einem Jahr mit einem Inder nach Peru fahren und dort österreichische Volkslieder singen werdet - ihr hättet zu ihm gesagt er sei komplett verrückt.
Da kann ich ihm nur recht geben - klingt doch absurd oder? Aber genau das haben wir gemacht.

Das Land

Peru - ja, was schreibt man hier was man nicht in jeder beliebigen Enzyklopädie sowieso nachlesen kann? Das Land ist voller Gegensätze, da gibt es einmal die relativ dicht besiedelte Küste - la costa - wo es im Sommer brütend heiß und im Winter neblig trüb ist. An der Küste ist - von Flusstälern, Oasen einmal abgesehen - meist Wüste zu finden, da die Niederschläge sehr spärlich ausfallen. Ach ja, da Peru auf der südlichen Hemisphäre liegt ist Winter von Juni - September und Sommer von Dezember - März.

Dann gibt es noch das Anden-Hochland - la sierra - mit dem Altiplano auf durchschnittlich 3.300 m und Berggipfeln, die bis über 6.000 m aufragen. Auch hier ist abhängig von der Höhe und geographischen Lage alles von Steppe bis zu tropischer Vegetation zu finden. Im Hochland ist es eigentlich durchgehend sonnig mit wenig Niederschlägen, außer in der Regenzeit - da muss man mit Hangrutschungen rechnen, die Straßen unpassierbar machen können. Die Sonne ist aufgrund der Höhe und der Nähe zum Äquator generell sehr intensiv und stechend. In Lima wird UV-Faktor 6 und in höhergelegenen Städten sogar UV-Faktor 10 erreicht.

Als dritte Region existiert noch der tropische Regenwald in der Amazonasregion - la selva - welcher auch spärlich besiedelt ist. Am kurzen Absatz hier erkennt man, dass wir diese Region nicht bereist haben. Eye-wink

Peru hat 28 Millionen Einwohner, wobei über die Hälfte in der Küstenregion lebt, die 11% der Landesfläche ausmacht. Die Hauptstadt Lima hat ca. 7 Millionen Einwohner, was an der starken Landflucht in Peru liegt. Dadurch vergrößern sich die Slums oder verschleiernder: informellen Siedlungen immer mehr, doch in der Stadt selbst schaut es mit der Arbeit meist auch nicht so rosig aus.

Die Währung Perus ist der Nuevo Sol, der zum Zeitpunkt der Reise (September 2007) ungefähr 25 Euro-Cent wert war. Das österreichische BIP ist zehnmal so groß wie das Perus und dadurch ist das tägliche Leben in Peru ziemlich billig (1 Liter Wasser = 1,50 Sol, 1 Mittagessen = 15-20 Sol), aber die Löhne sind natürlich auch entsprechend niedriger.

Gegessen wird: Pollo (span./ital. Huhn) in allen Variationen (z.B. pollo con arroz y verduras - Huhn mit Reis und Gemüse, pollo con arroz y patatas fritas - Huhn mit Reis und frittierten Kartoffeln). Generell gibt es Reis UND Kartoffeln (meist in frittierter Form) und eine recht interessante aber undefinierbare Vorspeise. Auch Choclo (span. Maiskolben) und generell Mais wird gern gegessen. Dabei gibt es auch schwarzen Mais. Ein weiteres peruanisches Gericht ist Cuy (Meerschweinchen) oder Alpakafleisch. Peruanische Nationalgetränke sind Inca-Kola (hellgelber, nach Kaugummi schmeckener Softdrink) und Pisco Sour (Weinbrand mit Limettensaft). Inca-Kola ist bei den Peruanern sehr beliebt - schmeckt beim ersten Probieren ziemlich grauslich, aber man gewöhnt sich daran. Die Werbesprüche dieser Marke sind "la bebida del peru" (das Getränk Perus) und "el sabor del peru" (der Geschmack Perus). Naja, über Geschmack lässt sich streiten - der Marktanteil von Inca-Kola in Peru liegt jedenfalls über dem von Coca Cola.

Werbeplakate gibt es in Peru nur wenige und diese sind für langfristige Werbung ausgelegt. Plakatwände, wo die Beklebung alle paar Wochen wechselt gibt es nicht. Generell sieht man wenig Werbung, was sehr angenehm ist. Ob Werbung einfach zu teuer ist, die Leute sich die Produkte nicht leisten können oder ähnliches weiß ich leider nicht. Trotzdem gibt es noch eine andere Werbeform: Graffiti. In Peru schreibt und malt man anscheinend ganz legal alle möglichen Botschaften auf Wände. Da findet man dann oft Wahlwerbung (z.B. Daniel Ali - alcalde; span. Bürgermeister; Garcia presidente) oder Symbole für Mais oder ähnliches, die angeben, dass das hier anscheinend verkauft wird. Gibt es die Sachen dann nicht mehr, wird das Symbol einfach durchgestrichen. Es gibt aber auch professionellere Graffitis von Firmen. Auch auf Berge wird gerne geschrieben, da steht dann schon oft mal "Viva el peru" (siehe Bild von Cuzco in der linken oberen Ecke) oder irgendeine Zahl oder Wahlwerbung drauf. Generell gibt es meist keine Schilder, sondern es wird auf Wände geschrieben und gemalt (Farbe ist eben billiger).

Gesprochen wird Spanisch und Quechua - Englisch können die Leute meist nicht und wenn, dann nur schlecht. Ansonsten sind die Menschen aber freundlich und hilfsbereit, allerdings erwacht beim Anblick eines "Gringos" auch sofort der Geschäftssinn. Touristen zahlen meist mehr bei Taxis und manchmal beim Essen, es bleibt aber trotzdem noch ziemlich günstig. Mehr dann zu alldem in der Tipps-Sektion.

Die Reise

Die Reise dauerte fast drei Wochen, in denen wir die Städte Lima, Cuzco, Puno, Arequipa und Nazca besuchten und 5 Konzerte sangen (eines in Lima, zwei in Cuzco und zwei in Arequipa). Trotz Proben und Konzerten haben wir trotzdem noch vieles angeschaut, was den Urlaub nicht gerade sehr entspannend machte. Es war halt kein typischer In-der-Sonne-liegen-Urlaub - was im Winter sowieso etwas schwierig ist - sondern eine Kulturreise.

Hinflug

Von Wien aus flogen wir zuerst nach Madrid. Unsere Fluglinie war die Spanair. Mit deren Flugzeug war ich nicht sehr zufrieden. Es war eine ältere DC-10, in der man sehr wenig Platz hatte. In Madrid übernachteten wir im Mad Hostel. Am Abend hatten wir dann auch Gelegenheit uns Madrid ein wenig anzusehen und Tapas und ähnliche Gerichte auszuprobieren. Viel Zeit hatten wir nicht, aber wir konnten uns die Plaza Mayor, den Palacio Real, die Kathedrale La Almudena und die Puerta del Sol ansehen, da unser Hostel glücklicherweise gleich im Zentrum lag. Madrid hat mir sehr gut gefallen - ich habe nicht viel davon gesehen, aber jene Teile, die ich sah, waren sehr schön. Ich muss auf jeden Fall noch mal hin und mir dann mehr Zeit für die Stadt nehmen.

Plaza Mayor Catedral de la Almudena Catedral de la Almudena: Orgel Air Comet

Am nächsten Morgen fuhren wir mit der Metro zum Flughafen Madrid-Barajas und von dort hatten wir einen Direktflug nach Lima. Unsere Fluglinie war die Air Comet, das Flugzeug war neu, der Service war okay und auch das Essen nicht schlecht. Der Flug dauerte über 12 Stunden und war ziemlich mühsam. Ich konnte nicht richtig schlafen und nach einiger Zeit wusste man nicht mehr wie man denn nun sitzen oder liegen soll. Es wurden Filme gezeigt, die mich aber allesamt nicht wirklich begeisterten. Wir kamen dann um 23:00 Ortszeit (MESZ-7h) in Lima-Callao an und fuhren mit unserem Bus zu unserem Quartier, dem Residencial Circulo Militar del Peru im Stadtteil Jesus Maria.

Lima

In Lima waren wir am längsten - ganze 5 Tage. Wir hatten Zeit uns die Stadt anzusehen, aber mussten auch für unser Konzert proben. Das Konzert war eines von mehreren zum 100-Jahr-Jubiläum der Sociedad Filarmonica de Lima. Lima ist riesig - hat wie schon erwähnt 7 Millionen Einwohner, liegt im Westen des Landes an der Pazifikküste und besteht aus mehreren Stadtteilen, die sich allesamt Municipalidad nennen und gemeinsam die Municipalidad Metropolitana de Lima bilden. Die Stadtteile heißen (Auswahl) Callao, Lima, Miraflores, San Isidro, Jesus Maria. Wir wohnten in Jesus Maria, Miraflores ist das moderne Zentrum an der Küste, in Callao liegt der Flughafen und Industrie und Lima selbst ist der historische Kern mit den kolonialen Sehenswürdigkeiten und der obligatorischen Plaza Mayor. Im Winter liegt über der Stadt fast durchgehend eine dichte Nebeldecke (Smog?). Wir hatten wirklich nur am ersten Tag ein wenig Sonne. Durch den Nebel hat es ständig eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit - speziell am Abend. Trotzdem ist es nicht unbedingt kalt - die Temperaturen bewegen sich zwischen 12 - 17°C. Im Sommer soll es dafür brütend heiß sein. Wie schön.

Fortbewegungsmittel der Wahl in Lima sind die unzähligen Taxis. Es gibt auch Busse, aber ein Linien-System konnte ich dahinter nicht erkennen. Ansonsten gibt es kein öffentliches Transportsystem. Es wird empfohlen nur die offiziellen Taxis zu benützen und generell sollte man den Fahrpreis vorher mit dem Fahrer ausmachen und schauen, ob er weiß wo er hinfahren soll. Peruaner neigen nämlich dazu etwas erstmal anzufangen, auch wenn sie nicht wissen wie es weitergehen soll. Taxameter gibt es keine.

Plaza Mayor Lima Informelle Siedlungen Miraflores Pazifik

Zur Erklärung des Titels: Da wir manchmal als große Gruppe unterwegs waren (über 40 Leute) mussten wir einen Bus mieten. Dabei handelte es sich um Kleinbusse für ca. 25-30 Leute, mit denen wir durch die Gegend gurkten. Aber wir haben alle reingepasst! Jedenfalls waren in einem von denen Sticker mit Jesus und Sprüche angebracht. Einer lautete eben "Jesus Es El Señor" (span. Jesus ist der Herr). Das hat mir sehr gut gefallen und war auch nötig, denn der Bus hatte seine besten Tage schon hinter sich. (Schicksalslenker, blicke nieder...)

Die Stadt hat an Sehenswürdigkeiten nicht allzuviel zu bieten. Zur Kolonialzeit muss es eine blühende Stadt gewesen sein, aber jetzt ist vom Glanz alter Tage nicht mehr viel zu sehen. An sich ist jedoch die ganze Stadt selbst eine Sehenswürdigkeit, jedenfalls wenn man vorher noch nie in einer vergleichbaren Stadt oder in Südamerika war.

Nach unserem Konzert am 11. September 2007 gings mit einem Flugzeug der LAN Peru weiter nach Cuzco.

Cuzco

Cuzco ist Provinzhauptstadt, liegt auf ca. 3.400 m Höhe und hat mindestens 300.000 Einwohner (andere Schätzungen gehen von bis zu 1 Million aus). Früher war Cuzco die Hauptstadt des Inka-Reiches und wurde von den Spaniern komplett umgestaltet. Alle Inka-Tempel wurden abgerissen und auf ihren Grundmauern Kirchen errichtet. Cuzco liegt in einer Art Talkessel und füllt diesen eigentlich komplett aus. Je mehr Leute in die Stadt ziehen, desto weiter wachsen die Hütten die Berghänge hinauf. Da Cuzco bequem per Flugzeug zu erreichen ist und Ausgangspunkt für Machu Picchu ist, zieht die Stadt viele Touristen an. Von Cuzco aus gelangt man auch schnell ins Valle Sagrado - dem heiligen Tal der Inkas. Viele Leute sprechen hier zusätzlich zu Spanisch auch Quechua.

Wir landeten übermüdet mit dem Flugzeug (Unsere Fluglinie war die LAN Peru mit einem brandneuen Airbus als Flugzeug, was mich etwas überraschte.) aus Lima in Cuzco. Am Vorabend hatten wir unser Konzert in Lima und mussten bereits wieder um 03:00 aufstehen. Einige sind gar nicht erst ins Bett gegangen und ich hatte auch maximal 2 Stunden geschlafen. Die große Höhe machte sich sofort bemerkbar. Die Luft war schärfer und kühler, aber nicht unbedingt sauberer. Dafür lachte die Sonne von einem strahlend-blauen Himmel. Nach fünf Tagen Nebelsuppe ein unbeschreibliches Gefühl. Ein leichtes Prickeln in den Beinen war zu spüren und Gehen bzw. Stiegensteigen war um vieles anstrengender als in tieferen Lagen. Nachdem ich meinen Koffer in den 4. Stock geschleppt hatte, musste ich mich erstmal eine Weile aufs Bett legen. Im Laufe des Tages stellte sich auch leichtes Kopfweh ein, welches ich mit Coca-Tee (Mate de Coca) bekämpfte. Im Laufe des Tages hatten wir noch die Gelegenheit zu einer kleinen Stadtbesichtigung und einem Essen mit unseren Gastgebern: dem Rotary-Club Cuzco.

Cuzco Kunsthandwerksmarkt Machu Picchu Coro de la Universidad de Viena a Cuzco

Für den nächsten Tag war Machu Picchu (Quechua: alter Berg) vorgesehen. Nachdem wir die relativ üppigen Eintritts-, Zug- und Bus-Preise bezahlt hatten (da die Inka-Stätte ein Touristen-Magnet ist, versucht man natürlich entsprechend daran zu verdienen), fuhren wir mit dem Bus ins Valle Sagrado über Urubamba nach Ollantaytambo, von wo aus wir mit dem Machu Picchu-Train nach Aguas Calientes - dem Dorf am Fuße von Machu Picchu - fuhren. Aguas Calientes ist ausschließlich auf Machu Picchu und Tourismus ausgerichtet, es ist fraglich ob das Dorf ohne die Inkastätte existieren würde. Vom Dorf gelangt man über eine gewundene Straße mit Bussen hinauf zur Ruinenstadt.

Die Stadt liegt auf einem Hochplateau inmitten dicht bewachsener Berge und wurde so von den Spaniern nie gefunden und daher auch nicht zerstört. Sie ist also noch relativ gut erhalten und wurde im Jahre 1911 vom Amerikaner Hiram Bingham wiederentdeckt. Bis heute ist allerdings unbekannt welchem Zweck die Stadt eigentlich diente. Der heutige Zweck ist jedenfalls klar: Die Touristen stehen Schlange. Wir machten eine Führung durch die Stadt, die gut zwei Stunden dauerte. Die Baukunst der Inka ist beeindruckend, die Mauern sind äußerst exakt gefügt und werden nur von Lehm zusammengehalten. Mich hat die Tatsache verwundert, dass man hier schräge Dächer hatte, die man sonst in der Gegend nicht findet. Der fast tropische Regenwald bzw. die üppige Vegetation rundherum lässt auch nicht auf schneereiche Winter schließen.

In den nächsten Tagen in Cuzco hatten wir noch ausreichend Gelegenheit die Stadt zu besichtigen, die wirklich interessant und sehenswert ist. Wir waren auch auf einem Kunsthandwerksmarkt, der mir sehr gut gefallen hat. Hier wurden Ponchos, Mützen, Schals und Pullover aus Alpakawolle verkauft und auch Töpfereien, Webwaren und andere kunstvolle Kleinigkeiten. Mit einem kleinen Auftritt im Lokal-TV und unserem Konzert im Teatro Municipal beendeten wir dann unseren Aufenthalt in der Stadt der Inka. Ab jetzt gings mit dem Bus weiter.

Puno und Lago Titicaca

Nach einer zehnstündigen Fahrt über das Altiplano erreichten wir Puno am Titicacasee (bedeutet angeblich große graue Katze, tatsächlich erkennt man sowas wie eine Katze wenn man ein Satellitenbild des Sees auf dem Kopf stehend betrachtet). Puno ist die größte Stadt am See, liegt in ungefähr 3.800 m Höhe und hat etwas über 100.000 Einwohner. Die Stadt ist nicht besonders schön oder sehenswert. Es gibt zwar ein nicht allzu hässliches Stadtzentrum um den Plaza Mayor, aber Sightseeing kann man hier nicht betreiben. Interessant sind allein die Straßenmärkte, die es hier allerorts gibt. Man muss sich so einen Straßenmarkt als "Open-Air-Supermarkt" vorstellen. Hier kann man alles kaufen, was einem so einfällt. Was bei Regen passiert ist wieder die andere Frage, aber das kommt da wohl nicht so oft vor. Puno ist eine Hafenstadt, aber der See in Küstennähe ist ziemlich unansehnlich. Entengrütze soweit das Auge reicht - man meint fast auf dem Wasser laufen zu können. Anscheinend ist der See die Klärgrube der Stadt.

Für die Touristen dient Puno nur als Ausgangspunkt für Touren auf und über den See. Ein Fixpunkt bei vielen - und auch bei uns - ist der Besuch der schwimmenden Inseln der Uros und ein Besuch auf den Inseln Taquile und Amantaní. Bei den schwimmenden Inseln handelt es sich um künstliche Inseln, die aus Schilf geflochten wurden. Die beiden letzteren sind echte Inseln. Wir haben auf einer Insel bei einer Familie übernachtet und hatten so die Gelegenheit die lokale Kultur aus nächster Nähe kennen zu lernen. Beide Inseln sind für Webwaren und Textilprodukte bekannt, wobei auf Taquile vorwiegend die Männer stricken und weben. Eine weitere bekannte Insel liegt bereits in Bolivien und diese haben wir nicht besucht: die Isla del Sol. Der Legende nach soll der Sonnengott Inti den ersten Inka auf dieser Insel auf die Erde herabgelassen haben.

Schwimmende Insel Berg-See Peruaner Das weite Land Lamas

Unser Aufenthalt in Puno war nur kurz. Nach drei Tagen fuhren wir bereits wieder mit dem Bus über einige Andenpässe nach Arequipa. Dabei kamen wir bis in Höhen von 5.000 m. In tiefern Lagen bemerkte ich, dass meine leere Wasserflasche vom Luftdruckunterschied sichtbar eingedellt war. Später in Arequipa erfuhr ich dann, dass während unseres Aufenthalts in der Nähe von Puno ein Meteorit eingeschlagen war, davon hatten wir jedoch nichts bemerkt.

Arequipa

Arequipa - die weiße Stadt - ist nach Lima die zweitwichtigste Stadt Perus, liegt auf ungefähr 2.400 m Höhe und hat so um 700.000 Einwohner. Das Panorama der Stadt beherrschen die drei Vulkane Misti, Chachani und Picchu Picchu. Woher der Beiname "die weiße Stadt" stammt ist nicht ganz klar - einerseits sind viele Bauten aus weißem Stein, andererseits lebten und leben auch viele Weiße in dieser Stadt. Die Stadt ist sehr schön und hat vieles zu bieten, die Innenstadt gehört auch zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Wir waren im Club Internacional untergebracht, was man sich so ähnlich wie einen All-Inklusive-Tempel vorstellen kann, der aber dem Magic Life-Feeling gottseidank nicht sehr nahe kommt. Jedenfalls gab es einen Pool, eine Bowling-Bahn, Billard, Tennisplätze, Volleyballplätze, einen Fußballplatz, ein Hallenbad, etc. Leider hatten wir nicht genügend Zeit um alle Annehmlichkeiten auszuschöpfen, aber ein Nachmittag Entspannen am Pool und einmal Bowling ging sich schon aus. Diesmal waren wir zu zehnt im Zimmer, was etwas Bundesheer-Gefühl (als Ex-Zivi kennt man sich da aus!) aufkommen lies.

Plaza de Armas Arequipa Misti Zig Zag Club Internacional Arequipa

In Arequipa warteten wieder viele Kirchen darauf besichtigt zu werden - die ganze Innenstadt ist sehenswert. Ein Touristenmagnet ist das Kloster Santa Catalina (eine richtige Stadt in der Stadt), welches wir exklusiv bei Nacht besichtigen durften (sehr romantisch!). Hier fiel mir auch auf, dass der Mond auf der Südhalbkugel anders aussieht als bei uns. Er "lag auf dem Rücken" d.h. die Sichel war beinahe waagrecht. Diesmal hatten wir unser Konzert in einer Kirche mit guter Akustik und die Leute waren begeistert (ohne jetzt in Selbstlob ausbrechen zu wollen). Bei einigen Liedern wie dem Abendlied (Luk. 24,29) von Josef Rheinberger und Bogoroditse Devo von Sergej Rachmaninov teilten wir uns auf und standen mitten im Publikum (eine Herausforderung für mich). Dabei muss ich wohl einer Peruanerin aufgefallen sein. Sie tauchte jedenfalls nach dem Konzert in der Sakristei auf und wollte unbedingt mit mir fotografiert werden. Ist es nicht schön Fans zu haben? Hach!

Nach dem Konzert luden uns unsere Gastgeber - das Instituto Cultural Peruano-Alemán - in das In-Restaurant Zig Zag ein. Dort bekamen wir Straussen-, Rind- und Alpakafleisch grillend auf dem heißen Stein serviert. Dabei kam mir irgendwie der Begriff Erlebnisgastronomie in den Sinn. Da einem Bankier unser Konzert so gut gefallen hatte, durften wir am nächsten Tag kostenfrei ein altes Kolonialhaus in Arequipa besichtigen, welches der Bank gehört. Mit dem Einkauf von Souvenirs und einem abschließenden Konzert im Club Internacional ging unser Aufenthalt in Arequipa wieder zu Ende und wir setzen uns in den Bus um Richtung Lima aufzubrechen.

Nazca

Wir machten noch mit einer Übernachtung in Nazca Station, um die berühmten Nazca-Linien zu besichtigen. Dabei handelt es sich um sehr große (bis zu 100 m) Figuren im Wüstensand. Es gibt einen Affen, eine Spinne, einen Kolibri, Bäume und Hände etc. Damit diese Bilder sieht muss man sie überfliegen, was wir in Gruppen von 5 Personen in kleinen Cessnas auch gemacht haben. Damit man die Linien erkennen kann fliegt der Pilot ständig in Schräglage von schätzungsweise 45° im Kreis - jeweils einmal auf der einen und einmal auf der anderen Seite. Dabei kann der Magen ganz schön ins Trudeln geraten.

Wüstenbus Schräglage Affe Voll Pool!

Die Stadt selbst ist klein und überlebt nur wegen der Nazca-Linien. In Nazca waren wir wohl im schönsten Quartier der ganzen Reise untergebracht: dem Don Agucho Hostal. Schade, dass wir nur eine Nacht hier waren. Nach unserem Flug machten wir uns auf Richtung Lima. Am nächsten Tag sollte es wieder Richtung Europa gehen. Dabei fuhren wir auch durch Pisco, welches beim Erdbeben fast vollständig zerstört wurde. Wir blieben zwar nicht stehen, trotzdem war das nicht gerade eine angenehme Erfahrung.

Rückflug

Zurück in Lima übernachteten wir noch einmal im altbekannten Residencial Circulo Militar und bekamen wieder das gleiche Zimmer wie am Anfang der Reise. Lustigerweise war ich als Schweizer geführt (Gruezi!). Wir starteten unseren Rückflug am Vormittag in Lima und mussten dazu um 07:00 aufstehen. Wir kamen dann am nächsten Tag um 06:00 (Ortszeit) in Madrid an. Dort mussten wir 9 Stunden auf unseren Anschlussflug nach Wien warten. Da die Nacht in Lima wieder sehr kurz war und ich auch im Flugzeug nicht schlafen konnte, war ich ziemlich fertig. Den anderen ging es nicht besser. So trafen wir die Entscheidung nicht mehr in die Stadt zu fahren, sondern fuhren nur zum Campo de las Naciones in der Nähe des Flughafens und legten uns in den Park um zu schlafen. Bei mir war das leider wieder nicht sehr erfolgreich. In Madrid fiel mir auch auf wie sauber doch die Luft in Europa ist, obwohl ich gerade an einer vierspurigen Straße stand. Jedenfalls fehlte der in Peru allgegenwärtige Dieselgeruch. Am Abend kamen wir dann schließlich in Wien an. Dabei flogen wir über den Süden der Stadt und ich hatte die Gelegenheit mein Wohnhaus sowie Schönbrunn von oben zu sehen. Am Flughafen verabschiedeten wir uns noch mit einem Lied (Wien, Wien, nur du allein...) und fuhren heim. Ich wollte nur noch ins Bett, denn mittlerweile war ich so um die 27 Stunden wach. In der Wohnung ging mir dann leider kein Licht auf - Kurzschluss, kein Strom. Auch gut, im Finstern kann man besser schlafen. Ahh, wieder daheim! In den nächsten Tagen musste ich nur gegen leichte Schlaflosigkeit kämpfen was wohl am Jetlag.

Tipps oder Ausklang

Generell gilt: Was bei uns unmöglich wäre, kann in Peru sehr wohl funktionieren. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Polizist mit einem essen geht nachdem man nach einem guten Restaurant gefragt hat oder dass ein Busfahrer alle seine Fahrgäste rausschmeißt, weil man zu ihm sagte man würde den Bus für eine Gruppe mieten wollen.

Spanisch zu lernen oder zu beherrschen ist eine gute Idee. Englisch kann fast niemand. Falls man nicht Spanisch kann sollte man einen Sprachführer dabei haben und wenigstens die wichtigsten Floskeln und die Zahlen (!) lernen.

Große Scheine (ab fünfzig Nuevo Sol) machen meist Probleme. Nur die wenigsten Leute können herausgeben und sind manchmal schon mit zwanzig Soles unzufrieden. Also genügend Kleingeld dabei haben! Nachteil ist, dass die Geldautomaten nur Hunderter und Fünfziger ausspucken. Apropos Geldautomaten: Maestro kann man nur bei einigen Automaten verwenden, mit einer Kreditkarte ist man besser dran. Bei Kreditkarten gilt auch, dass Visa am häufigsten akzeptiert wird.

Bevor man Leute offen fotografiert sollte man fragen und ihnen vielleicht auch ein wenig Geld geben. Man kann natürlich auch heimlich fotografieren.

Leitungswasser sollte man nicht trinken. Ich habe selbst zum Zähneputzen Wasser aus der Flasche verwendet. Wenn wir schon bei Wasser sind: Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass warmes Wasser...dass genügend Wasser...dass überhaupt Wasser vorhanden ist.

Auf seine Sachen sollte man stets aufpassen. Ich kam mir zwar nicht besonders unsicher oder bedroht vor, jedoch wird überall vor Taschendieben gewarnt. In unserer Gruppe wurde zum Glück außer einem Fotoapparat (trotzdem unangenehm) nichts entwendet. Es empfiehlt sich einen Bauchgurt zu tragen, in dem Geld und der Reisepass Platz findet. In Peru herrscht Ausweispflicht!

In Toiletten kann schonmal die Klobrille und das Klopapier fehlen. Genügend Taschentücher dabeizuhaben ist also empfehlenswert.

Bei der Benützung von Taxis sollte man den Fahrpreis vor Fahrtantritt mit dem Fahrer aushandeln und nur offizielle Taxis benützen. Dies sind nicht einfach alle wo "Taxi" draufsteht, sondern der Fahrer hat seinen Taxiausweis im Fahrzeug hängen. Ist das Auto jedoch klein und gelb dann ist die Chance schon relativ hoch, dass es sich dabei um ein offizielles handelt.

Bei Ein- oder Ausreise aus/in Gelbfieber-Risikogebiete (Bolivien, Brasilien) ist eine Impfung verpflichtend. Dazu wird ein internationaler Impfpass benötigt. Ansonsten wird direkt an der Grenze geimpft. Das soll allerdings nicht so spaßig sein. Generell empfohlene Impfungen (ohne Gewähr, mit Arzt besprechen!): Hepatitis A und B, Diphterie, Tetanus, Typhus, Polio, Tollwut (?), FSME, Gelbfieber (?)

Die Reiseapotheke sollte (mindestens) beeinhalten (ohne Gewähr, mit Arzt besprechen!): Nasentropfen, Parkemed, Kohletabletten, Paspertin, Aspirin, Immodium, Breitbandantibiotikum. Da die Drogengesetze in Peru sehr streng sind, wird empfohlen die komplette Schachtel oder zumindest die Packungsbeilage mitzunehmen.

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nicht schlecht!

so, jetzt hab ich deinen bericht komplett durchgelesen! sehr interessant was ihr so alles gesehen habt! ein paar teile davon würden mich auch sehr interessieren, hoffentlich komm ich dort auch mal hin...
lg

Perureise

Gratuliere zu deinem spannenden Bericht über die Reise inklusive der tollen Bilder.Nachdem ich über eure Reiseroute informiert war, konnte ich dich via Internet täglich auf der Reise "begleiten" und habe dabei unheimlich viel über Land und Leute gelernt. Diese Zusammenfassung ist der krönende Abschluss deiner Reise!

Kreditkarten in Peru

Wie sieht es denn mit Kreditkarten aus? Werden die auch akzeptiert, oder gehe ich damit besser auf eine Bank und hole mir Bargeld? Gibt es genügend Banken, und akzeptieren die auch VISA Prepaidkarten? Damit habe ich ansonsten die besten Erfahrungen gemacht, da nur soviel Geld im Schadensfall geklaut werden kann, wie gerade drauf ist. Leider werden solche Guthabenkarten nicht überall akzeptiert.
Würde mich interessieren, ansonsten waren ja megaviele Infos im Reisebericht.
Vielen Dank dafür und Grüße aus dem Westerwald
Günni

Denke schon

Ich muss zugeben, ich habe eigentlich nie so mit Kreditkarte bezahlt. Immer nur bar. Unsere Hotels brauchte ich auch nicht zu bezahlen, die wurden immer übernommen. Ich denke aber, dass die Hotels und besseren Restaurants sicher Kreditkarten akzeptieren. Je kleiner die Stadt und der Betrieb, desto unwahrscheinlicher. Einen Mangel an Banken konnte ich nicht feststellen, aber wir haben ja eigentlich auch nur die größten Städte besucht und ich war nicht wochenlang in der Pampa unterwegs. Das mit den Prepaidkarten kann ich dir leider nicht beantworten, am besten du fragst mal direkt bei Visa an, die müssten das am besten wissen.

Danke fürs Lob und lg, Michael