Der Vertrag von Lissabon wurde beschlossen, ist aber noch nicht vollständig ratifiziert. Trotzdem dreht sich bereits das Personenkarussell. Manche (Ex-)Politiker haben schon ein Auge auf den einen oder anderen Posten geworfen, auch wenn dieser erst geschaffen werden muss.
Ein solcher Posten ist jener des Präsidenten des Europäischen Rates, der nach dem Vertrag von Lissabon nicht mehr vom Regierungschef des jeweiligen Landes, das die Präsidentschaft der Europäischen Union inne hat, sondern durch einen eigenen Ratspräsidenten übernommen wird. Dieser Ratspräsident wird auf 2,5 Jahre vom Rat selbst mit qualifizierter Mehrheit gewählt und darf einmal wiedergewählt werden.
Tony Blair würde diesen Posten wohl nach seinem Abtreten als britischer Regierungschef gerne haben. Er wird besonders vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy favorisiert. Ist Blair für einen Posten in der EU geeignet? Hat er seine "Verbundenheit" mit den Werten der EU ausreichend gezeigt?
Viele sind da der Ansicht: Nein. Sowohl die europäischen Sozialdemokraten als auch die Europäische Volkspartei stehen einer Kandidatur Blairs eher ablehnend gegenüber. So meint Othmar Karas (ÖVP), Vizevorsitzender der EVP-Fraktion:
Es ist unmöglich, dass ein Vertreter eines Landes Ratspräsident wird, das weder am Euro, an Schengen, noch an der Grundrechtscharta teilnimmt.Als mögliche alternative Kandidaten werden der Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Juncker und der ehemalige polnische Präsident Alexander Kwasniewski gehandelt.
Auch eine Online-Petition ruft dazu auf seine Ablehnung gegenüber Blairs Kandiatur auszudrücken. Als Gründe werden die Involvierung Großbritanniens in den Irak-Krieg mit fadenscheinigen Begründungen seitens Blairs und das halbherzige Engagement Großbritanniens in der EU in Blairs Zeit als Regierungschef angeführt. Die Organisatoren der Petition sind nach eigenen Angaben "a group of participants on The European Tribune, a collaborative website where we discuss European and world policies among many other things...".

